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Engel, dargestellt im postsozialistischen Realismus

Nachdem ich bereits von Lukas Moodyssons ersten beiden Filmen „Raus aus Åmål“ und „Zusammen!“ völlig begeistert war, habe ich mir vor kurzem auch seinen dritten, sehr viel ernsteren Film „Lilja 4-Ever“ angeschaut. Ein Film, der laut Moodysson ein Film über die Güte Gottes werden sollte. Ob er das geworden ist?

substation.org„Lilja 4-Ever“ handelt von einem sechzehnjährigen Mädchen in einer nicht näher definierten Trabantenstadt irgendwo in Osteuropa, das von ihrer Mutter verlassen und von ihren Freunden verraten wird und so in die Prostitution abrutscht. Schließlich wird Lilja mit falschen Versprechungen nach Schweden gelockt, wo sie sofort von ihrem Zuhälter in Empfang genommen und als Sklavin gehalten wird, so dass sich für sie in dem Land, wo die Menschen Arbeit haben und nett sind, nicht viel geändert hat außer der Nationalität ihrer Freier. Als es ihr schließlich gelingt, aus ihrer Wohnung zu entkommen, begeht sie Selbstmord.

Eindrucksvoll schildert der Film die absolute Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit, die „Scheiße“ in einer Gesellschaft, die laut Moodysson erst vom Sowjetkommunismus und nach dessen Zusammenbruch vom Kapitalismus vergewaltigt wurde. Wer wirklich meint, durch das starke Wirtschaftswachstum und die Reformen sei der Osten Europas im Begriff, die blühenden Landschaften, von denen in den neuen Bundesländern nur geredet wurde, in die Tat umzusetzen, dem sei dieser Film wärmstens empfohlen. Er beschreibt aber genauso, dass die Probleme, die in den Plattenbauten des zusammengebrochenen Warschauer Pakts so offensichtlich zu Tage treten, uns betreffen, dass wir ihnen nicht begegnen können, indem wir Mauern um unsere Länder ziehen und auf welche perverse Weise die Not von Menschen ausgenutzt werden kann – von Zahlungskräftigen in Ost und West.
Vielleicht bietet dieser Film einen Grund, das nächste Mal vielleicht intensiver darüber nachzudenken, wer sich auf den Pornoseiten für unseren Sexkonsum auszieht und was für Tragödien vielleicht hinter den Anzeigen für „willige Russinnen“ in den Anzeigenblättern im Briefkasten stecken können.

Aber wie Eingangs bereits gesagt, handelt es sich bei „Lilja 4-Ever“ auch um einen religiösen Film. Nicht in dem Sinne, dass er den moralischen Zeigefinger im Namen Gottes erhebt. Nein, aber in sehr feinen Andeutungen werden die sich in Lilja vollziehenden Konflikte mit Gott gezeigt, wenn sie vor dem Bild eines Engels mit einem Kind (Jesus?) mit Gott kommuniziert und in der letzten Phase ihr einziger wirklicher Freund, der kurz nach ihrer Abreise nach Schweden Selbstmord begangen hat, ihr als Engel erscheint. Und schließlich in der Abschlussszene, als sie, nun auch zum Engel geworden mit diesem auf dem Dach eines Hauses Basketball spielt und die zum Positiven geänderten Szenen aus ihrem Leben an ihr vorbeiziehen.http://www.moziplussz.hu/
Doch Moodysson gelingt es, auch in diesen Szenen nicht ins Kitschige abzugleiten. Abgesehen von den Flügeln, die Lilja und Valodja gewachsen sind, hat sich an der Welt um sie herum nichts verändert. Was will uns Moodysson mit diesen Bildern sagen? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, Tatsache ist aber, dass in diesen letzten Szenen doch tatsächlich die Hoffnung und die Lebensbejahung zum Ausdruck kommen, die schon so kennzeichnend für „Raus aus Åmål“ und „Zusammen!“ waren. Und so ist „Lilja 4-Ever“ - neben vielem Anderen - doch ein Film über die Güte Gottes.

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