rueckenwind1

Das Imperium der Schande

In der neuen Ausgabe der Publik Forum findet sich ein sehr interessantes Interview mit Jean Ziegler, indem er über die Ursachen des Welthungers spricht. Ich möchte jetzt nicht das gesamte Interview wiedergeben, das hier nachzulesen ist, aber einige der Punkte sind sicher überdenkenswert, auch wenn Jean Ziegler sicher nicht immer der sachlichste Kritiker des gegenwärtigen Weltwirtschaftssystems ist (was man ihm, dessen Haubtbeschäftigung es ist, sich mit dem Tod von 100.000 Hungertoten pro Tag zu beschäftigen, auch kaum verübeln kann).

Queen

Es ist schon etwas bedenklich, wenn 500 Konzerne mehr als die Hälfte des Weltsozialprodukts kontrollieren. Und ich denke Ziegler hat Recht, wenn er in diesem Zusammenhang sogar von "Refeudalisierung" spricht. Vielleicht sollten sich die Apologeten der Globalisierung und der freien Marktwirtschaft fragen, ob hier wirklich immer der freie Markt globalisiert wird. Man muss schon ziemlich naiv sein, um daran zu glauben, dass diese Konzerne von ihrer enormen Macht keinen Gebrauch machen und ich glaube ebenfalls, dass Demokratie, faire Marktbedingungen und Menschenrechte nicht immer dass sind, was in den Interessen der Konzerne liegt. Abgesehen davon werden natürlich (z.B. bei den landwirtschaftlichen Produzenten) bewusst Abhängigkeiten erzeugt, die es ermöglichen, Preise zu drücken und die Produzenten zu menschenunwürdigen Lebens(?)bedingungen zwingen (näheres dazu findet sich zum Beispiel im Schwarzbuch Markenfirmen). Wenn dazu noch Spekulanten großen Einfluss auf die Lebensmittelpreise ausüben können, wenn niedrige Preise das Ende vieler Bauern bedeuten, sollte man sich wirklich fragen, ob man nicht den spekulativen Handel mit Nahrungsmitteln unterbinden sollte.
Ob es aber richtig ist, wie Ziegler meint, die Preise vertraglich festzusetzen? Immerhin hat diese Vorgehensweise in der EU ja erst dazu geführt, dass Milchseen entstanden sind, die niemand trinken wollte. Andererseits kann es nicht angehen, dass ein kenianischer Kaffeebauer nach der Ernte plötzlich merkt, dass er mit dem erzielten Ertrag nicht überleben kann. Dementsprechend müsste man, wenn man die Preise wirklich festschreiben wollte, dies zeitlich so begrenzt tun, dass das Überleben der Produzenten gesichert ist, es aber nicht zu langanhaltenden Überproduktionen kommen kann.

Wie immer stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich auch die Frage nach den Agrarsubventionen der Industrieländer. Dazu Ziegler:
In Dakar, der Hauptstadt des größten westafrikanischen Landes, wird an den Marktständen portugiesisches, spanisches, französisches, italienisches Obst und Gemüse für weniger als ein Drittel des Preises angeboten, der für senegalesische Erzeugnisse gefordert wird, für die die einheimischen Bauern 16 Stunden am Tag unter brennender Sonne gearbeitet haben. Die Industrienationen haben 2004 rund 349 Milliarden Dollar an Produktions- und Exportsubventionen an ihre Bauern bezahlt – fast eine Milliarde Dollar pro Tag. Von den 52 Staaten Afrikas sind 41 fast reine Agrarstaaten. Deren Landwirtschaft wird durch das europäische Dumping radikal zerstört. Das müsste sofort gestoppt werden, damit die Landwirtschaften dieser Staaten sich autonom entwickeln und ihre Produzenten und Bevölkerungen ernähren können.

Aber was sollen dann die kleinen deutschen Bauern machen? Ich weiß es nicht, fest steht aber, dass es offensichtlich nicht die sind, die von den Agrarsubventionen der EU in erster Linie profitieren. Dafür hat Nestlé UK 2003/2004 wohl ca. 40 Millionen Euro erhalten (Quelle SZ). Kein Wunder, wenn die deutsche Regierung Bedenken hat, die Empfänger der Brüsseler Subventionen zu veröffentlichen - es könnte ja eine Neiddebatte aufkommen. Die nimmersatten afrikanischen Bauern könnten jedenfalls in der Tat neidisch werden - und ich persönlich wütend.

Ach ja, die Queen bekommt übrigens auch 700.000€ aus EU-Töpfen.

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