rueckenwind1

Globales Soziales

Mittwoch, 31. Mai 2006

Weltverbesserungsmaßnahme

schweinIch habe eine Idee zur Lösung der Finanzierungsprobleme der Entwicklungs- und Hilfsprojekte in aller Herren Länder. Ich fordere die Einführung des Doppelpass-Phrasenschweins in politischen Talkshows.

Samstag, 27. Mai 2006

Das Imperium der Schande

In der neuen Ausgabe der Publik Forum findet sich ein sehr interessantes Interview mit Jean Ziegler, indem er über die Ursachen des Welthungers spricht. Ich möchte jetzt nicht das gesamte Interview wiedergeben, das hier nachzulesen ist, aber einige der Punkte sind sicher überdenkenswert, auch wenn Jean Ziegler sicher nicht immer der sachlichste Kritiker des gegenwärtigen Weltwirtschaftssystems ist (was man ihm, dessen Haubtbeschäftigung es ist, sich mit dem Tod von 100.000 Hungertoten pro Tag zu beschäftigen, auch kaum verübeln kann).

Queen

Es ist schon etwas bedenklich, wenn 500 Konzerne mehr als die Hälfte des Weltsozialprodukts kontrollieren. Und ich denke Ziegler hat Recht, wenn er in diesem Zusammenhang sogar von "Refeudalisierung" spricht. Vielleicht sollten sich die Apologeten der Globalisierung und der freien Marktwirtschaft fragen, ob hier wirklich immer der freie Markt globalisiert wird. Man muss schon ziemlich naiv sein, um daran zu glauben, dass diese Konzerne von ihrer enormen Macht keinen Gebrauch machen und ich glaube ebenfalls, dass Demokratie, faire Marktbedingungen und Menschenrechte nicht immer dass sind, was in den Interessen der Konzerne liegt. Abgesehen davon werden natürlich (z.B. bei den landwirtschaftlichen Produzenten) bewusst Abhängigkeiten erzeugt, die es ermöglichen, Preise zu drücken und die Produzenten zu menschenunwürdigen Lebens(?)bedingungen zwingen (näheres dazu findet sich zum Beispiel im Schwarzbuch Markenfirmen). Wenn dazu noch Spekulanten großen Einfluss auf die Lebensmittelpreise ausüben können, wenn niedrige Preise das Ende vieler Bauern bedeuten, sollte man sich wirklich fragen, ob man nicht den spekulativen Handel mit Nahrungsmitteln unterbinden sollte.
Ob es aber richtig ist, wie Ziegler meint, die Preise vertraglich festzusetzen? Immerhin hat diese Vorgehensweise in der EU ja erst dazu geführt, dass Milchseen entstanden sind, die niemand trinken wollte. Andererseits kann es nicht angehen, dass ein kenianischer Kaffeebauer nach der Ernte plötzlich merkt, dass er mit dem erzielten Ertrag nicht überleben kann. Dementsprechend müsste man, wenn man die Preise wirklich festschreiben wollte, dies zeitlich so begrenzt tun, dass das Überleben der Produzenten gesichert ist, es aber nicht zu langanhaltenden Überproduktionen kommen kann.

Wie immer stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich auch die Frage nach den Agrarsubventionen der Industrieländer. Dazu Ziegler:
In Dakar, der Hauptstadt des größten westafrikanischen Landes, wird an den Marktständen portugiesisches, spanisches, französisches, italienisches Obst und Gemüse für weniger als ein Drittel des Preises angeboten, der für senegalesische Erzeugnisse gefordert wird, für die die einheimischen Bauern 16 Stunden am Tag unter brennender Sonne gearbeitet haben. Die Industrienationen haben 2004 rund 349 Milliarden Dollar an Produktions- und Exportsubventionen an ihre Bauern bezahlt – fast eine Milliarde Dollar pro Tag. Von den 52 Staaten Afrikas sind 41 fast reine Agrarstaaten. Deren Landwirtschaft wird durch das europäische Dumping radikal zerstört. Das müsste sofort gestoppt werden, damit die Landwirtschaften dieser Staaten sich autonom entwickeln und ihre Produzenten und Bevölkerungen ernähren können.

Aber was sollen dann die kleinen deutschen Bauern machen? Ich weiß es nicht, fest steht aber, dass es offensichtlich nicht die sind, die von den Agrarsubventionen der EU in erster Linie profitieren. Dafür hat Nestlé UK 2003/2004 wohl ca. 40 Millionen Euro erhalten (Quelle SZ). Kein Wunder, wenn die deutsche Regierung Bedenken hat, die Empfänger der Brüsseler Subventionen zu veröffentlichen - es könnte ja eine Neiddebatte aufkommen. Die nimmersatten afrikanischen Bauern könnten jedenfalls in der Tat neidisch werden - und ich persönlich wütend.

Ach ja, die Queen bekommt übrigens auch 700.000€ aus EU-Töpfen.

Montag, 1. Mai 2006

Ein bisschen Werbung im WM-Jahr

Ich persönlich finde es schön, dass Fairtrade-Produkte so langsam aber sicher ihren Weg aus den exotischen Ecken deutscher Bioläden dahin gehen, wo auch der Konsum stattfindet (was sicherlich schade für das elitäre Bewusstsein eines jeden Linken ist ;-)) und auch größere Hersteller offensichtlich so langsam zu kapieren scheinen, dass Ethik nicht nur an sich eine schöne Sache ist, sondern einem möglicherweise auch einen Marktvorteil verschaffen kann. Und da ja dieses Jahr so ganz im Zeichen des Fußballs steht, sei an dieser Stelle ein Hinweis auf ein Fairtrade-Produkt erlaubt, das vielleicht dazu beiträgt, dass die Welt ein bisschen freundschaftlicher wird.

derbystar-fairtrade-omega-ttNein, es geht nicht um Duft-Touch-Vorrichtungen für WCs, sondern um das runde Leder selbst. Die Firma Derbystar bietet nämlich inzwischen drei Bälle an, deren Herstellung den Produzenten immerhin ein Leben mit sozialen Mindeststandards sichert und von denen ein fester Betrag in weitere soziale Projekte fließt. Find ich gut und noch besser fände ich es, wenn auch die FIFA so etwas wahrnehmen würde. Aber dazu müssen wohl erst die wirklich Großen in der Branche auf den Trichter kommen. Und die sind bekanntlich häufig nicht die Innovativsten...

Die Derbystar-Website

Der Sozialist in mir

SPON-Artikel

Wie sich in obigen Artikel lesen lässt, hat Evo Morales die Wiederverstaatlichung der bolivianischen Öl- und Gasindustrie veranlasst. Nun ist es so, dass ich Morales für einen Populisten halte, mit einem etwas verqueren Antiamerikanismus (an dessen Erfolg die USA allerdings auch nicht unschuldig sein dürften) und rassistischen Tendenzen in seiner Ideologie, die ich nicht wirklich gutheißen kann. Sollte er aber tatsächlich durchsetzen, dass die Einnahmen aus den Ölexporten den zahlreichen Armen in Bolivien zu Gute kommt und nicht z.b. in dubiose Waffengeschäfte fließen, werde ich der Verstaatlichung etwas abgewinnen können.
Lieber wäre es mir allerdings, wenn es verantwortungsbewusstere Linke gäbe, die sinnvolle Verstaatlichungen dieser Art vornehmen. Denn ja, ich bin der Meinung, dass der Umgang mit Ressourcen nicht multinationalen Konzernen überlassen werden sollte (ich denke da besonders auch an genetische Ressourcen), auf der anderen Seite bringt staatliches Eigentum wenig, wenn es nicht auch demokratischer Kontrolle unterliegt. Die Vergangenheit hat leider gezeigt, dass auch staatliche Unternehmen prima Profite erzielen können, von denen nur die Eliten profitieren.

Mittwoch, 26. April 2006

Kein zweites Ruanda...




Ja, ich habe meine Zweifel an militärischen Interventionen und dennoch möchte ich die Kampagne zur Unterstützung einer internationalen Friedenstruppe im Sudan unterstützen. Spätestens nachdem ich vor einiger Zeit den Film "Hotel Ruanda" gesehen habe, bin ich der Meinung, dass Nichtstun oder bloße diplomatische Bemühungen um Frieden nicht immer die beste Option sind. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Friedenstruppe nicht so zusammengesetzt werden sollte, dass sie den Eindruck erweckt, sie sei "us-imperialistisch motiviert".

PS: Darfur ist ohne Zweifel schlimm, schlimm ist aber auch, wie viele Menschen in Afrika immer noch an Unterernährung oder vermeidbaren Krankheiten sterben. Aids-Medikamente mögen ja teuer sein, einfache Moskito-Netze sind es nicht, trotzdem wird viel zu wenig Geld aufgewendet, um die Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern (aber vielleicht ändert sich das ja, wenn die globale Erderwärmung dafür sorgt, dass auch reiche Länder von Malaria betroffen werden?).

Samstag, 8. April 2006

Für die Menschenrechte in Weißrussland...

...kann man hier online unterschreiben. Bringen solche Aktionen irgendetwas? Ich weiß es nicht, immerhin zeigen sie, dass uns Menschen im Westen nicht ganz egal ist, was jenseits der EU-Grenzen passiert.

Sonntag, 18. Dezember 2005

Die Verlängerung der Armut

Ich bin ja nun wirklich niemand, der jede Deregulierung des Weltmarktes gutheißt. Aber wenn es auch so ist, wie ich gestern schrieb, dass Märkte hochkomplexe Strukturen sind und deswegen schwer zu durchschauen, so ist es doch ziemlich offensichtlich, dass eine Verlängerung der Exportsubventionen und Zölle für Agrarprodukte der Europäischen Union die Bekämpfung der Armut extrem erschwert. Danke, liebe französische Großbauern!

>> http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,391111,00.html

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Skurriles bei Wiki!

Hier ein lesenswerter Artikel über den Inselstaat Nauru. Schon tragisch, wenn eine ganze Nation den Weg in die Zukunft verpasst. Hoffen wir, dass nicht ähnliches passiert, wenn irgendwann die Erdölvorkommen im Nahen Osten versiegen. Oder wenn Deutschland nicht begreift, dass größere Investitionen in Bildung notwendig sind, wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen.

Donnerstag, 1. September 2005

Unbefriedigende Antwort

Auch wenn ich eigentlich kein Markenfetischist bin, muss ich doch zugeben, dass ich die Sweatshirts eines relativ weit verbreiteten Herstellers besonders gerne trage. Leider ist sie in der Vergangenheit nicht durch besonders arbeitnehmerfreundliche Lohn-, Gewerkschafts- und Gesundheitspolitik aufgefallen.

Weil ich ihre Sweatshirts so mag, diese aber eigentlich nicht weiterhin mit einem schlechten Gewissen kaufen möchte, habe ich dem Unternehmen eine E-Mail geschrieben, in der ich Vorwürfe bezüglich der Arbeitsbedingungen in Fabriken dieses Unternehmens in Zentralamerika zitierte und anfragte, ob unabhängige Berichte verfügbar seien, die dem Konzern Besserung bescheinigen.

Die Antwort war ziemlich unbefriedigend und enthielt einen Verweis auf die günstigen Arbeitsverhältnisse in Fabriken in einer ganz anderen Ecke der Welt. Was soll ich nun davon halten? Und was davon, dass auch für diesen Teil der Welt dem Konzern vorgeworfen wird, Bestrebungen zur Vereinigung von Arbeitern zu blockieren?

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